Recruiting-Wissen

Recruiting im Gesundheitswesen: So gewinnen Sie die besten Kräfte

Yee Wah Tsoi
7 min.
Das Recruiting im Gesundheitswesen erfordert neue Wege

Wenn es eine Branche gibt, in der schon seit Jahren freie Stellen nur schwer besetzt werden können, dann ist es die Gesundheitsbranche. Personal fehlt praktisch in jedem Unternehmen, sei es in Krankenhäusern, Arztpraxen oder Gesundheitszentren. Das Recruiting im Gesundheitswesen steht unter Druck, so viel steht fest. Der Grund dafür: Die Branche hat ein ernsthaftes Image-Problem: Überstunden, fehlende Work-Life-Balance, arbeiten am Limit – das öffentliche Bild schreckt viele potenzielle Kandidat·innen ab, und das wiederum verstärkt den Fachkräftemangel abermals.

Dazu kommt, dass mit dem Blick auf den demographischen Wandel eine Besserung kaum in Sicht ist: Denn auch in den kommenden Jahren werden viele ältere und pflegebedürftige Menschen einer viel geringeren Zahl an jungen, gut ausgebildeten Fachkräften gegenüberstehen. 

Bewerber·innen für die Gesundheitsbranche zu gewinnen, gehört somit zu den größten Herausforderungen für Personaler·innen. Weil es deutlich mehr freie Vakanzen als ausgebildetes und qualifiziertes Personal gibt, ist die Konkurrenz unter Arbeitgebern groß. Und das gilt nicht nur für das medizinisch ausgebildete Personal. Auch Fachkräfte aus Marketing, Buchhaltung, Personalabteilung und Einkauf wählen Untersuchungen zufolge lieber einen Job in einer anderen Branche. Arbeitgeber·innen im Gesundheitswesen haben häufig das Nachsehen. 

Der Wettbewerb um qualifiziertes Personal ist hart

Im Kampf um die Fachkräfte lassen sich die Arbeitgeber·innen deshalb inzwischen zu ungewöhnlichen Methoden hinreißen. Geworben wird in der Branche aktuell nicht etwa mit einem guten Gehalt, sondern mit einer sogenannten Antrittsprämie.

Je nach Einrichtung kann diese mehrere 1.000 Euro betragen und wird den neuen Mitarbeiter·innen zum Antritt der Stelle oder nach der Probezeit überwiesen. Kritik an dieser Methode gibt es häufig, deshalb muss die Frage lauten: Was können Sie sich von anderen Branchen abschauen?

Im Folgenden finden Sie 9 praktische Tipps für das Recruiting im Gesundheitswesen, damit Sie auch in Zukunft die passenden Mitarbeitenden erreichen.

1) Entwickeln Sie eine Strategie

Die Basis aller erfolgreicher Recruiting-Maßnahmen ist der strategische Aufbau einer attraktiven Arbeitgebermarke. Diese entsteht in einem Prozess, der einige Zeit in Anspruch nehmen wird, sich aber langfristig rentieren wird. Definieren Sie dafür zunächst, wie sich Ihr Unternehmen intern positionieren soll. Eine Mitarbeiterbefragung kann hierbei nützlich sein.

Anschließend hilft ein Blick auf die Konkurrenz: Wie präsentieren sich die Wettbewerber im Recruiting im Gesundheitswesen und was können Sie besser machen? Und abschließend planen Sie konkrete Maßnahmen, mit denen Sie neue Mitarbeiter·innen gezielt anwerben können.

2) Präsentieren Sie sich auf einer Karriere-Webseite

Erstaunlich viele Arbeitgeber·innen setzen in dieser Branche immer noch auf Stellenanzeigen im Print. Diese sind auch weiterhin von Relevanz, sollten aber nicht Ihr einziges Mittel der Wahl darstellen. Längst gibt es nämlich überzeugende digitale Möglichkeiten, um sich Bewerber·innen zu präsentieren.

Eine Karriere-Webseite sollte heute zum Pflichtprogramm im Recruiting im Gesundheitswesen gehören, um sich als attraktives Unternehmen zu präsentieren. Liefern Sie hier genau die Informationen, die die Bewerber·innen der unterschiedlichen Berufe im Health-Bereich am meisten interessiert.

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3) Veröffentlichen Sie attraktive Stellenausschreibungen

Gute Stellenanzeigen enthalten ein klares und realistisches Anforderungsprofil sowie interessante Informationen zum Unternehmen und zu dem ausgeschriebenen Job. Und da Sie jetzt bereits Ihre Arbeitgeberwerte definiert haben: Erwähnen Sie sie auch. Sprechen Sie über Karriereperspektiven und Zusatzleistungen, damit die Bewerber·innen schon vorab wissen, auf was Sie sich einlassen. Und: Gießen Sie den Inhalt in eine ansprechende Form – in ein passendes Layout im Corporate Design. 

4) Bieten Sie mehr als nur Geld

Fest steht: Mit Sinnhaftigkeit allein lässt sich eben noch keine Miete bezahlen. Deshalb sollte eine faire Bezahlung eine Selbstverständlichkeit auch für Arbeitgeber·innen in der Gesundheitsbranche sein, die gutes Personal gewinnen wollen. Aber auch Werte wie familienfreundliche Arbeitsbedingungen, attraktive Zusatzleistungen und moderne Organisationsformen stärken die Wertschätzung und damit das Employer Branding – eben gerade, weil sie leider in der Branche manchmal noch nicht selbstverständlich sind.

Stellen Sie die gelebte Work-Life-Balance Ihrer Mitarbeiter·innen in den Vordergrund, zeigen Sie Wertschätzung für deren Arbeit, erzählen Sie öffentlich von Karrierechancen und modernen Arbeitsgeräten. Gerade die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, zum Beispiel in Form von Kinderbetreuungsmöglichkeiten, bietet eine tolle Chance, Bewerber·innen zu überzeugen. Aber Vorsicht: Machen Sie im Recruiting im Gesundheitswesen keine Versprechen, die Sie nicht auch halten können. 

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5) Locken Sie mit Weiterbildung

Wer in die Fortbildung seiner Mitarbeiter·innen investiert, profitiert gleich vielfach. Die Motivation der Fachkräfte steigt, sie fühlen sich wertgeschätzt und gleichzeitig steigt natürlich ihr Know-how. Und: Auch auf Bewerber·innen haben Weiterbildungsmöglichkeiten eine attraktive Strahlkraft. Hierzu zählt auch, dass Sie Bewerbenden die Entwicklungsperspektiven in Ihrem Betrieb aufzeigen – machen Sie deutlich, welche Möglichkeiten zur Weiterentwicklung Sie anbieten. Dies ist vielen Job-Suchenden in diesem Bereich oftmals nicht vollkommen klar.

6) Vereinfachen Sie den Bewerbungsprozess

Langwierige und komplizierte Bewerbungsprozesse schrecken gerade junge Fachkräfte ab. Sie sind es gewohnt, dass in ihrer digitalen Welt heute alles einfach und schnell funktioniert. Eine digitale Bewerbung sollte daher selbstverständlich möglich sein, idealerweise sogar über einen für mobile Endgeräte optimierten Prozess. Überhaupt sollten Sie überdenken, welche Informationen Sie tatsächlich bei einer Bewerbung benötigen. Die nötige Ausbildung? Könnten Sie auch im Bewerbungsgespräch überprüfen! Das Anschreiben? Braucht es nicht wirklich!

7) Nutzen Sie Social-Media-Kanäle

Sträflich vernachlässigt werden im Recruiting der Gesundheitsbranche die sozialen Medien. Dabei bieten gerade sie eine tolle Chance, um Fachkräften ein authentisches Bild von der Arbeit zu geben. So können Sie hier beispielsweise Mitarbeiter·innen im Video zu Wort kommen lassen und Fotos aus dem Berufsalltag posten. Das Tolle: Es braucht kein großes Budget, um die Kanäle zu nutzen, sondern lediglich ein paar kreative Ideen.

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8) Setzen Sie auf Mund-zu-Mund-Propaganda

Untersuchungen haben gezeigt, dass die Empfehlungen privater Netzwerke eine große Rolle spielen, wenn Mitarbeiter·innen aus dem Gesundheitswesen auf Stellensuche sind. Hier nehmen die Mitarbeiter·innen, die jetzt aktuell bei Ihnen beschäftigt sind, eine große Rolle ein, denn sie sind Ihre wichtigsten Botschafter. Schaffen Sie mit Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter-Programmen gezielt Anreize, um neue Kandidat·innen zu locken. Und gelingt es Ihnen zudem, sogar jene Mitarbeiter·innen, die nur kurzfristig aushelfen wollten, langfristig zu binden, haben Sie in Sachen Recruiting alles richtig gemacht.

9) Bauen Sie einen Talentpool auf

Auch mit der besten Strategie wird sich nicht jeder Kandidat oder jede Kandidatin sofort für Sie entscheiden. Bleiben Sie dennoch im Kontakt, indem Sie einen Talent-Pool aufbauen und die dort gesammelten potenziellen Kandidat·innen regelmäßig über freie Stellen auf dem Laufenden halten. Bei der nächsten Jobsuche sind Sie damit sicherlich im Fokus des Bewerbers oder der Bewerberin.

Fazit: Recruiting im Gesundheitswesen

Prämienzahlungen scheinen kurzfristig eine gute Möglichkeit zu sein, um Fachpersonal zu gewinnen. Eine langfristige Strategie ist es aber nicht. Gelingt es Ihnen als Unternehmen stattdessen, Ihren Mitarbeiter·innen zu bieten, wovon jene bei anderen Unternehmen der Branche nur träumen, haben Sie die Nase im Wettbewerb um die Fachkräfte vorne. 

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