Arbeitgeberattraktivität: Definition, Faktoren und Maßnahmen

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Arbeitgeberattraktivität ist heute vielfach der entscheidende Faktor, warum sich Talente für oder gegen einen Arbeitgeber entscheiden. Die Unternehmenskultur, das Führungsverhalten die Work-Life-Balance – sie alle zahlen einerseits auf die Arbeitgeberattraktivität ein und sind andererseits für Talente eine Grundvoraussetzung an ihren künftigen Arbeitgeber. In diesem Beitrag erfahren Sie, was unter Arbeitgeberattraktivität zu verstehen ist, welche Faktoren wichtig sind und mit welchen Maßnahmen Sie die Attraktivität Ihres Unternehmens steigern können.

Arbeitgeberattraktivität Definition: Was ist darunter zu verstehen?

Die Arbeitgeberattraktivität beschreibt, als wie attraktiv ein Unternehmen aus der Sicht potenzieller Bewerber·innen und bestehender Mitarbeiter·innen als Arbeitgeber wahrgenommen wird. Dementsprechend bezieht sie sich auf all die Aspekte, die ein Unternehmen als Arbeitgeber bietet, um ein positives Arbeitsumfeld zu schaffen.

Wichtig im Zusammenhang mit der Arbeitgeberattraktivität ist Employer Branding, das sowohl intern als auch extern zum Aufbau einer starken und attraktiven Arbeitgebermarke beiträgt. Die Marke kann dabei als Bezugsobjekt verstanden werden, dem die Attraktivität beigemessen wird.

Auch die Arbeitgeberattraktivität wirkt sowohl nach innen als auch nach außen: Nach innen bewirkt eine hohe Attraktivität eine höhere Mitarbeiterbindung und reduziert damit die Fluktuation. Nach außen spiegelt sich die Attraktivität im Arbeitgeberimage wider und kann so das Recruiting massiv erleichtern.

Es können zwei Wirkungsrichtungen der Arbeitgeberattraktivität unterschieden werden: die Innen- und die Außensicht

Ein guter Richtwert für die Arbeitgeberattraktivität sind auch Rankings wie die Top Companys, die von der Arbeitgeber-Bewertungsplattform kununu gekürt werden. Hier wird die Attraktivität der Arbeitgeber auf Basis der Bewertungen erhoben, die Mitarbeitende über das Unternehmen hinterlassen. Hier finden Sie eine Übersicht der besten Arbeitgeber Deutschlands gemäß des Top Company Rankings!

Arbeitgeberattraktivität Faktoren – Studien zur Arbeitgeberattraktivität

Die Arbeitgeberattraktivität wird von vielfältigen Faktoren beeinflusst. Das zeigen verschiedene Studien wie etwa eine Erhebung aus 2017, die vor allem die Vergütung (von 61 % der Befragten genannt) sowie die langfristige Job-Sicherheit (60 % der Befragten) als wesentliche Faktoren für die Arbeitgeberattraktivität erklärte.¹

Auch eine Erhebung von Organomics aus 2022 zeigt, dass materielle Aspekte weiterhin einen wichtigen Aspekt für die Arbeitgeberattraktivität darstellen. Hier wurde deutlich, dass für 75 % der Befragten Gehalt und materielle Benefits (sehr) wichtig waren – wichtiger als alle anderen Aspekte.

Dahinter liegen Work-Life-Balance (73 %), Arbeitsplatzsicherheit (72 %) sowie die Arbeitsinhalte und Aufgaben mit 68 %.²

Eine weitere Studie aus 2023 hingegen zeigte, dass Betriebsklima und Arbeitssituation einen höheren Einfluss auf die Arbeitszufriedenheit aufweisen als die Vertragsbedingungen – und damit das Gehalt. Während Betriebsklima und Arbeitssituation für 36 bzw. 37 Prozent der Befragten einen Einfluss auf die Zufriedenheit mit einer Tätigkeit aufweisen konnten, wurden die Vertragsbedingungen von nur 29 Prozent genannt.³

Aus Perspektive der Personalverantwortlichen zeigt sich, das förderte eine Studie aus 2022 zutage, dass vor allem Remote Work, Gesundheitsmanagement und Arbeitgebermarketing entscheidende Faktoren beim Gewinnen und Halten von Fachkräften darstellen.⁴

Diese Studien zeigen also kein völlig eindeutiges Bild, was die Priorisierung verschiedener Faktoren für die Arbeitgeberattraktivität betrifft. Es lässt sich jedoch durchaus feststellen, dass folgende Aspekte Einfluss auf die Attraktivität eines Arbeitgebers haben können:

  • Gehalt und monetäre Benefits
  • Work-Life-Balance und Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben
  • Unternehmenskultur
  • Arbeitsumfeld und Betriebsklima
  • Karriere- und Entwicklungsperspektiven
  • Arbeitsplatzsicherheit
  • Nicht monetäre Benefits
  • Arbeitgeberimage
  • Arbeitsinhalt und Aufgaben (Achtung! Stark individueller Aspekt)
  • Flexibilität (Home- und Mobile Office sowie Flexible Arbeitszeiten)
  • Führungsverhalten und -kultur

Arbeitgeberattraktivität steigern: 7 Maßnahmen

Die steigende Bedeutung der Arbeitgeberattraktivität für die Wahl eines Unternehmens vonseiten der Talente bedeutet für Betriebe im Umkehrschluss, dass Maßnahmen zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität stetig wichtiger werden. Im Folgenden finden Sie 7 Maßnahmen-Beispiele, um Ihre Arbeitgeberattraktivität zu steigern:

1) Anpassung von Gehalt und Benefits

Die vorgestellten Studien haben gezeigt: Das Gehalt ist nach wie vor ein wesentlicher Faktor bei der Wahl eines Arbeitgebers. Dementsprechend wichtig ist es für Sie als Unternehmen, regelmäßige Recherchen im Markt durchzuführen, um ein adäquates Gehalt bezahlen zu können.

Zudem, das hat eine Studie der führenden Arbeitgeber-Bewertungsplattform kununu gezeigt, können auch Investments in Benefits durchaus erfolgversprechend sein. Arbeitnehmer·innen sind bei entsprechenden Benefits nämlich gewillt, auf bis zu 11 Prozent des Gehalts zu verzichten.⁵

Dementsprechend liegt hier großes Potenzial, um ohne großen Budget-Einsatz in die Arbeitgeberattraktivität zu investieren.

2) Arbeitgeberattraktivität durch gezieltes Employer Branding steigern

Das Arbeitgeberimage steht in engem Zusammenhang mit der Arbeitgeberattraktivität. Umso wichtiger ist es also, dass Sie mit gezielten Employer-Branding-Maßnahmen in den Aufbau eines attraktiven Images investieren. In der Praxis lohnt es sich hierbei beispielsweise, intern Verbesserungen durchzuführen – wie die Einführung attraktiver Benefits – und diesen Vorgang reichweitenstark nach außen zu kommunizieren. Für Employer Branding gibt es verschiedenste Maßnahmen – beispielsweise hat sich der Einsatz eines authentischen Employer Branding Profils auf kununu und XING etabliert.

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3) Weiterbildung und Karriereentwicklung forcieren

Die persönliche wie auch fachliche Weiterentwicklung stellt für zahlreiche Arbeitnehmer·innen – allen voran die Gen-Z – einen wichtigen Aspekt in Hinblick auf die Arbeitgeberattraktivität dar. Gezielte Entwicklungsprogramme kommen intern gut an und können gezielt nach außen kommuniziert werden.

Rufen Sie etwa ein Weiterbildungsprogramm ins Leben, das der gezielten Karriereentwicklung dient. Nicht nur profitieren Sie als Unternehmen von der Personalentwicklung, auch Ihre Mitarbeitenden bindet dies stärker an Sie als Arbeitgeber.

4) Aufbau bzw. Verbesserung der Unternehmenskultur

Auch die vorherrschende Kultur in Ihrem Unternehmen steht in Zusammenhang mit der Arbeitgeberattraktivität. Dabei müssen sich Arbeitgeber zunächst einmal bewusstwerden, welche Kultur im Betrieb vorherrscht und welche Aspekte davon als positiv bzw. negativ wahrgenommen werden.

Mithilfe eines gezielten Cultural Assessments können Sie Ihre Kultur identifizieren und entsprechende Maßnahmen ableiten, um Ihre Unternehmenskultur weiterzuentwickeln. Haben Sie eine positive Kultur etabliert, können Sie dies sowohl nach innen als auch nach außen für sich nutzen.

5) Modernisierung des Arbeitsumfeldes

Die im Vorangegangenen vorgestellten Studien haben gezeigt, dass auch dem Arbeitsumfeld ein hoher Stellenwert in Hinblick auf die Arbeitgeberattraktivität beigemessen wird. Dementsprechend naheliegend ist es, in dessen Modernisierung zu investieren. Die Modernisierung kann dabei auf verschiedenen Ebenen vonstattengehen, Beispiele sind etwa:

  • Verbesserung der technischen Ausstattung (Laptops, Equipment, Software)
  • Moderne Office-Ausstattung (Buchbare Meeting-Räume, Video-Conferencing-Tools)
  • Ermöglichung von mobiler Arbeit (Home-Office, Work-and-Travel, Mobile Office)
  • Erhöhung der Diversität (Gezieltes Diversity Management im Unternehmen)
  • Unternehmensstrukturen anpassen (Matrix-Organisation, hybride Teams)

6) Gesundheitsfördernde Maßnahmen setzen

Die Gesundheit der Belegschaft ist ein oftmals unterschätzter Faktor. Denn Investitionen in die Gesundheitsförderung können zumeist schnell zu direkten Vorteilen für das Unternehmen führen: Beispiele hierfür sind weniger Krankheitstage oder eine höhere Produktivität.

Und auch auf die Arbeitgeberattraktivität kann es sich durchaus positiv auswirken, wenn Sie als Unternehmen diverse Gesundheitsförderungsmaßnahmen für Ihre Belegschaft zu bieten haben. Auch hier gilt: Das wirkt positiv nach innen und kann wunderbar nach außen kommuniziert werden.

7) Führungskultur verbessern

Die Führungskraft kann für Personen zum großen Zufriedenheitsfaktor im Unternehmen werden – sie kann sich aber auch schnell zum triftigen Grund, das Unternehmen zu verlassen, entwickeln. Dementsprechend bedeutsam ist es, eine positive Führungskultur im Unternehmen zu etablieren.

Evaluieren Sie also auch die Qualität Ihrer Führungskräfte – etwa mittels 360-Grad-Feedback – und bieten Sie regelmäßige Fort- und Weiterbildungen an, um die Führungsqualitäten Ihres Managements zu verbessern.

Reflektieren Sie dabei kritisch, wie Führung derzeit in Ihrem Unternehmen gelebt wird und greifen Sie ein, wenn die Führungskultur zum Problem für Ihre Arbeitgeberattraktivität wird.

Arbeitgeberattraktivität Modell

Arbeitgeberattraktivität ist keine Zielgröße, die sich exakt messen lässt. Sie setzt sich aus diversen Aspekten zusammen und kann zudem von individuellen Bedürfnissen (stark) beeinflusst werden. Dementsprechend schwer ist es, ein allgemeines Modell für Arbeitgeberattraktivität einzuführen.

Laut einem Modell für die Arbeitgeberattraktivität setzt sich diese aus Basis-, Sozial- und Entwicklungsbedürfnissen zusammen

Ein Ansatz dazu zeigt das bedürfnisbasierte Modell für Arbeitgeberattraktivität der Universität St. Gallen. Hier lässt sich das Konstrukt auf drei Bedürfnisfelder fokussieren, die auf die Attraktivität eines Arbeitgebers einzahlen. Demnach sind folgende Bedürfnisse zu unterscheiden:

  • Basisbedürfnisse (Vergütung, Erreichbarkeit des Standorts, Familienfreundlichkeit)
  • Sozialbedürfnisse (Wertschätzung, Arbeitsumfeld, Zusammenarbeit im Team, Unternehmens- und Führungskultur)
  • Entwicklungsbedürfnisse (Persönliche Entwicklung, Karrieremöglichkeiten, Sinnhaftigkeit der Arbeit)

Mit den diversen konkreten Aspekten auf den drei Bedürfnisebenen entsteht in weiterer Folge die Attraktivität eines Arbeitgebers.

Fazit – Warum Arbeitgeberattraktivität entscheidend ist

Arbeitgeberattraktivität ermöglicht es Unternehmen, Mitarbeitende für das Unternehmen zu begeistern und langfristig an den Betrieb zu binden. Es kann also das Recruiting massiv vereinfachen und entlasten.

Dazu benötigt es vonseiten der Unternehmen eine Orientierung an den Bedürfnissen der Arbeitnehmer·innen, wie im bedürfnisorientierten Modell der Arbeitgeberattraktivität deutlich wird. Es gibt verschiedene Handlungsfelder, in denen Betriebe ihre Attraktivität verbessern können.

Wichtig ist der enge Zusammenhang zwischen Arbeitgeberattraktivität und Employer Branding: Einerseits sollten Maßnahmen zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität nach innen wirken, andererseits sollten Sie diese im Employer Branding dafür nutzen, um sich positiv nach außen zu positionieren.


¹ Infofact AG im Auftrag der Targobank, 2017.

² Organomics GmbH, Personalmarktstudie „Arbeitgeberattraktivität 2022 – Anforderungen der Talente an potenzielle Arbeitgeber“, 2022.

³ Nuggets – Research & Digital GmbH, Eigenuntersuchung: Employer Branding, Ergebnisauszug für Employer Branding Now, 2023.

⁴ Sopra Steria, Managementkompass Survey „Skilling“, 2022.

⁵ kununu, Pressemitteilung Arbeitgeberattraktivität, 2020.