Active Sourcing


Die Zeiten, in denen Recruiting ausschließlich durch traditionelle Stellenausschreibungen erfolgte, sind vorbei. Ein Mangel an Fachkräften, demographischer Wandel und die Digitalisierung  erfordern ein Umdenken bei der Suche nach den idealen Mitarbeitenden. Wer High Potentials und Talente finden möchte, darf nicht auf geeignete Bewerbende warten, sondern muss sie dort abholen, wo sie sind. In diesem Beitrag bieten wir Ihnen einen Überblick über Active Sourcing und dessen wichtigsten Kanäle und Maßnahmen. Dieser Artikel soll Ihnen jedoch auch Anregungen liefern, die Ihnen bei der Erstellung einer nachhaltigen Sourcing-Strategie behilflich sind.


Was ist Active Sourcing?

Active Sourcing steht für alle Maßnahmen, mit denen Unternehmen qualifizierte Bewerbende proaktiv recherchieren und kontaktieren. Kurzfristig zielt Active Sourcing darauf ab, eine möglichst lückenlose Stellen-Neubesetzung zu garantieren. Langfristig dient Active Sourcing dazu, einen Talent-Pool aus geeigneten Personen aufzubauen, auf den Unternehmen jederzeit zurückgreifen können.


Die Differenzierung zwischen Active Sourcing & Recruiting

Wer Active Sourcing verstehen möchte, muss den Unterschied zum klassischen Recruiting berücksichtigen.

Recruiting zeichnet sich durch einen Fokus auf standardisierte Stellenausschreibungen und Bewerbungsprozesse aus. Unternehmen nutzen interne Maßnahmen wie Personalgewinnung aus eigenen Personalbeständen oder externe Personalbeschaffung durch passive und aktive Methoden:

Passives Recruiting

Erstellung einer Stellenanzeige, Veröffentlichung auf einer Jobplattform und Hoffen auf eingehende Bewerbungen. „Post & Pray“  (auf Deutsch „Schalten und Beten“) ist der klassische Weg des Recruitings.

Aktives Recruiting

Aktive Personal-Suche über Recruiting-Veranstaltungen wie Jobmessen, Hochschul-Marketing und Recruitment-Veranstaltungen sind bewährte Methoden des aktiven Recruitings. Die Digitalisierung macht jedoch auch nicht vor der Personalbeschaffung halt. Social-Media-Recruiting und eben Active Sourcing sind Praktiken, die sich in der jüngsten Vergangenheit durchgesetzt haben.

Active Sourcing, auf seinen Kern heruntergebrochen, zählt also zum aktiven Recruiting. Es ist eine proaktive Form der Personalbeschaffung und nutzt Personalrecherche, aktive Kontaktaufnahme und den Aufbau eines Talent-Pools.


Welche Vorteile bietet Active Sourcing?

Unternehmen, die sich auf Digitalisierung einlassen und Active Sourcing zur Personalrecherche nutzen, können die Anforderungen eines agilen Arbeitsmarkts meistern und die eigene Marktposition stärken.

Active Sourcing ist ein proaktiver Rekrutierungsansatz, der folgende Vorteile bietet:

  • Die Erweiterung der Talent-Pipeline reduziert die Time-to-hire oftmals um bis zu 50%.
  • Active Sourcing erhöht die Erfolgsquote von Interviews teilweise um das Siebenfache, da bereits eine Beziehung zu potenziellen Mitarbeitenden aufgebaut werden konnte.
  • Active Sourcing erfordert anfangs zusätzlichen Aufwand. Langfristig zahlt es sich aus, indem Sie Ihre Cost-per-hire deutlich senken und Ihre Recruiting-KPIs erheblich steigern.
  • Active Sourcing minimiert die durch unerwartete Fluktuationen verursachten Unterbrechungen im Geschäftsbetrieb und hilft, Umsatzverluste zu vermeiden.
  • Der Aufbau langfristiger Beziehungen zu potenziellen Mitarbeitenden hilft dabei, Rollen schneller zu besetzen.

WUSSTEN SIE:
Dass 2 von 10 Talenten ihren letzten Job gewechselt haben, weil sie ein Unternehmen direkt angesprochen hat, obwohl sie gar nicht aktiv auf Stellensuche waren?
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Active Sourcing Kanäle

Wissen Sie bereits, wer Ihre Zielgruppe ist? Dann haben Sie bereits einen der wichtigsten Schritte für eine erfolgreiche Strategie gesetzt. Es gilt nun, ein Verständnis dafür zu bekommen, welche Kanäle geeignet sind, um genau die Talente zu finden, die Ihren Anforderungen entsprechen. Folgende Kanäle bieten sich hierzu an:

Karrierenetzwerke

Auf Portalen wie XING oder LinkedIn lassen sich sowohl Stellen veröffentlichen als auch Kontakte knüpfen. Sie sind eine der wichtigsten Recruiting-Kanäle, da die Infrastruktur für langfristiges Netzwerken und Profile-Mining ideal ist.

Interessante und geeignete Talente, die über Karrierenetzwerke bereits auf der Suche nach einer neuen Stelle sind, lassen sich auf diesem Wege entdecken und kontaktieren. XING und LinkedIn bieten für die Talentsuche passende Recruiting-Tools – beispielsweise den onlyfy TalentManager  – an, um Kontakte zu organisieren.

Soziale Medien

Im Gegensatz zu Karriereportalen ist ein direkter Kontakt zu Talenten über Soziale Medien schwieriger, denn eine Anwerbung über Social Media könnte als lästig empfunden werden. Die öffentlichen Profile von Talenten sind jedoch gute Quellen für Profile-Mining. Darüber hinaus können Sie Stellenausschreibungen ganz einfach auf Sozialen Netzwerken teilen und Bewerbende auf sich aufmerksam machen.

Folgende Social-Media-Kanäle könnten auch für Ihre Zielgruppe(n) relevant für die Stellensuche sein:

Facebook

Facebook hat sich als bedeutende Quelle für Active Sourcing erwiesen. Anfang 2018 hatte Facebook 2,23 Milliarden aktive Mitglieder und war damit einer der beliebtesten Social-Media-Kanäle der Welt. Zweifellos wird es unter diesen Milliarden von Menschen sowohl aktive als auch passive Talente geben, die offen für Stellenangebote sind.

Twitter

Twitter scheint eine ungewöhnliche Wahl für Active Sourcing zu sein. Es ist jedoch eine beliebte Plattform für potenzielle Talente, um Unternehmen und mögliche Stellenangebote näher unter die Lupe zu nehmen. Sie durchsuchen Unternehmensprofile und untersuchen deren Aktivitäten, Beiträge und ihr Engagement.

GitHub:

Für diejenigen, die sich auf Talente aus der technischen Entwicklung spezialisiert haben, ist GitHub ein oft unterschätzter sozialer Kanal. GitHub ist eine Open-Source-Codierungsplattform, auf der Entwickler·innen ihre besten Arbeiten zeigen und in Teams zu wichtigen Projekten beitragen. Profile sind öffentlich verfügbar und mit der Suchfunktion können Sie nach Codierungssprachen, Speicherort und Followern suchen.

Stack Overflow:

Ein weiterer Treffpunkt für Talente aus der technischen Entwicklung. Stack Overflow ist eine Frage- und Antwortseite, die jedoch speziell für technische Themen entwickelt wurde. Wenn Sie häufig nach qualifizierten Entwickler·innen suchen, die über ausreichende Kenntnisse verfügen, um die Fragen der Community zu beantworten, kann die Rekrutierung von Stack Overflow eine gute Taktik in Ihrem Recruiting-Prozess sein.

Meetup:

Auf Meetup planen Einzelpersonen Meetups für soziale und berufliche Interessengruppen. Dieser Kanal kann eine großartige Plattform sein, um Ihr Netzwerk zu erweitern.

Meetup funktioniert folgendermaßen: Organisierende erstellen Gruppen, in denen Veranstaltungen stattfinden. In jeder Gruppe gibt es eine Chat-Funktion, in der Teilnehmende und Organisatoren Informationen über die Veranstaltung oder Kommentare zum Thema der Veranstaltung austauschen können.

Pro Tipp

Eine ausführliche Erläuterung der Möglichkeiten zur Personalsuche über soziale Medien finden Sie in unserem Beitrag zum Thema Social Media Recruiting.

Mitarbeiterempfehlungen

Mitarbeiterempfehlungen zählen weiterhin zu den bedeutendsten Kanälen. Dies liegt daran, dass Mitarbeitende nur Menschen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis oder dem ehemaligen Team empfehlen, mit denen sie gerne zusammenarbeiten würden. Sie wissen, dass sie zu ihrem Unternehmen passen und für die Position geeignet sind. Und Sie? Sie sparen sich Zeit und Geld, wenn Sie großartige Talente nicht suchen müssen, sondern sie Ihnen präsentiert werden!


Active Sourcing Maßnahmen

Wenn Sie Active Sourcing in Ihrem Unternehmen implementieren möchten, stehen Ihnen folgenden Maßnahmen zur Verfügung:

Talent-Pool

Ein Großteil der mittelständischen Unternehmen setzt bei der Talentsuche auf den eigenen Talent-Pool. In Zeiten des Fach- und Führungskräftemangels wird es daher immer bedeutender, einen Talent-Pool als zentralen Kanal für die Personalbeschaffung aufzubauen. Referral-Sourcing und Talent-Networking spielen hier ebenfalls eine Rolle.

Talent-Mining

Talent-Mining ist eine der bedeutsamsten Disziplinen des Active Sourcings. Talent-Mining bezeichnet die gezielte Talentsuche, die nicht intuitiv, sondern systematisch über Suchmaschinen und Karrierenetzwerke wie XING oder LinkedIn geeignete Talente ermittelt. Hierzu kommen z. B. Keyword-Kombinationen und Boolesche Suchoperatoren strategisch zum Einsatz.

Suchende sollten sich zudem darauf fokussieren, erfolgreiche und geeignete Kanäle auf gesuchte Talentprofile abzustimmen. Basierend auf Praxiserfahrung und gewünschten Qualifikationen lassen sich Kanäle und Methoden beim Talent-Mining auch kombinieren. Der Erfolg liegt nicht in der Anzahl von Stellenausschreibungen oder Bewerbenden, sondern in gezielter, effizienter Recherche.

Harvesting

Bestimmte erforderliche Fähigkeiten und Qualifikationen können leicht missverstanden werden, besonders, wenn es um Positionen geht, die aus externer Perspektive schwer greifbar sind.

Beim Profile-Mining in Sozialen Medien, Karrierenetzwerken und Suchmaschinen kommt es darauf an, diese gründlich und allumfassend „abzuernten“. Beim Harvesting werden einzelne Karrierenetzwerke bzw. Kanäle umfassend nach Talenten mit benötigten Qualifikationen abgesucht und für eine mögliche spätere Kontaktaufnahme organisiert.

Profile-Mining

Beim Profile-Mining wird auf Karriereportalen gezielt nach passenden Karriereprofilen und Qualifikationen gesucht und diese für eine spätere Direktansprache organisiert. Online-Tools wie der onlyfy TalentManager können die Sortierung und Verwaltung von Profilen und die Kontaktierung von Talenten erleichtern.

WUSSTEN SIE:
Unternehmen mit expliziter Social-Media-Strategie sind fast doppelt so erfolgreich im Active Sourcing.2

Karriereseite

Die Karriereseite ist eines der klassischen Tools für Active Sourcing und sollte wie eine ansprechende Visitenkarte funktionieren. Auf einer Karriereseite veröffentlichen Unternehmen Stellenausschreibungen, zeigen Einstiegsmöglichkeiten auf und bewerben Karrierepotentiale.

Eine gepflegte Karriereseite bietet eine Übersicht der Mitarbeitenden, Unternehmensreferenzen, Zusatzleistungen und Weiterbildungschancen. Sie weckt bei Talenten bereits auf den ersten Blick Interesse und dient somit als erster Kontaktpunkt zu potentiellen neuen Mitarbeitenden.

Referral-Sourcing

Beim Referral-Sourcing werden die Netzwerke des eigenen Talent-Pools genutzt und unter den Kontakten Ihrer Mitarbeitenden nach passenden Talenten gesucht. Ergänzend zum Referral-Sourcing können auch Mitarbeiter·innen über Mitarbeitende-werben-Mitarbeitende“-Kampagnen angeregt werden, passende Talente aus dem eigenen Bekanntenkreis vorzuschlagen.

Semantische Suche

Während der Recherche bieten Suchmaschinen wie Google effiziente Ergebnisse, wenn Keywords und Boolesche Operatoren (AND, „+“, OR, NOT und „-“) für die Talentsuche genutzt werden.

CV-Datenbank-Recherche

Ein fester Bestandteil des Active Sourcing ist nicht nur die Analyse von Profilen, sondern auch von Lebensläufen und Qualifikationen, die auf Jobplattformen und in Curriculum-Vitae-Datenbanken bereitstehen.


Was ist beim Active Sourcing zu beachten?

Active Sourcing ist kein Ausbildungsberuf. Wer sich mit Active Sourcing näher beschäftigen möchte, muss dies praxisnah erlernen. Es erfordert eine proaktive Mentalität, die sich nicht nur an standardisierten Abläufen orientiert. Was besonders zu berücksichtigen ist:

Verständnis für die Zielgruppe

Wie lautet die genaue Berufsbezeichnung? Welche Qualifikationen und Kenntnisse sollten die  zukünftigen Mitarbeitenden haben? Definieren Sie Schlüsselwörter, die Sie verwenden können.

Umfassende Kenntnisse der Kanäle

Für erfolgreiches Active Sourcing ist ein richtiges Gespür für die richtigen Kanäle wichtig. Der Fokus sollte auf Kanälen liegen, die zu den gesuchten Profilen passen. Weiterbildungen und Schulungen rund um Personalmarketing können die digitale Kompetenz beim Active Sourcing optimieren.

Diskretes und professionelles Auftreten

Proaktive Kontaktaufnahme birgt die Gefahr, dass sich Talente belästigt fühlen. Da aktive Talentsuche immer wichtiger wird, sehen sich qualifizierte Fachkräfte mit immer mehr Anfragen konfrontiert. Seriöse, diskrete Kommunikation und eine gezielte Kontaktanfrage sind daher essentiell.

Zuverlässigkeit und Verbindlichkeit

Durch bewusstes Employer Branding erkennen Talente auf den ersten Blick, ob eine Stelle zu ihnen passt. Effektiv ist Active Sourcing dann, wenn ein Unternehmen bereits als zuverlässige, verbindliche Arbeitgebermarke etabliert ist.

USPs des Unternehmens

Bei aktiver Anwerbung gilt es, die Vorteile des eigenen Unternehmens so prägnant wie möglich zu kommunizieren. Alleinstellungsmerkmale sollten für Talente sofort verständlich sein.

Optimierung der Candidate-Experience

Optimieren Sie die firmeneigene Homepage. Verkürzen Sie Antwortzeiten. Je intuitiver der Bewerbungsprozess und nachvollziehbarer die Entscheidungsfindung ist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass Talente die Bewerbung abbrechen.


Fazit

Auf dem hart umkämpften Arbeitsmarkt führt kein Weg an Active Sourcing vorbei. Sei es als ergänzende Maßnahme im Recruiting oder als integrierter Bestandteil des Personalmanagements, mit Active Sourcing sichern sich Unternehmen gegen Personalfluktuationen ab und sichern sich langfristig einen Wettbewerbsvorteil.

Die Vorteile von Active Sourcing definieren die Zukunft der Personalgewinnung:

  • Kontakt und Recherche über ein breites, digitales Spektrum an Kanälen möglich.
  • Schnelle Personalgewinnung und Stellen-Neubesetzung durch einen Talentpool und Talent Networking.
  • Kostenersparnis durch klar formulierte Stellenprofile und fokussierte Recherche.
  • Aktivierung von passiven und aktiven qualifizierten Talenten.
  • Gezielter persönlicher Kontakt und positive Candidate-Journey bauen persönliche Geschäftsbeziehungen auf.

[Verweise]

1Social Recruiting und Active Sourcing – Ausgewählte Ergebnisse der Recruiting Trends 2020; Centre of Human Resources Information Systems, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, im Auftrag von Monster Worldwide Deutschland GmbH
2Social Recruiting und Active Sourcing Centre of Human Resources Information Systems, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, im Auftrag von Monster Worldwide Deutschland GmbH